Selbstständig wohnen bedeutet mehr als vier Wände – es steht für Eigenständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität. Mit einem neuen Kooperationsprojekt setzt sich die WOGETRA Leipzig gemeinsam mit der „das Boot gGmbH“ genau dafür ein: In der Plovdiver Straße entstehen acht neue Zuhause für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen. Die Zusammenarbeit verbindet bezahlbaren Wohnraum mit sozialer Unterstützung und zeigt, wie inklusives Wohnen in Leipzig konkret gelingen kann.

Ein gemeinschaftlich getragenes Wohnprojekt in der Plovdiver Straße

Die Plovdiver Straße 60 ist spätestens seit dem Dezember 2024 etwas ganz Besonderes in der WOGETRA Leipzig. Hier beginnt unsere Kooperation mit dem Leipziger Träger der sozialpsychiatrischen Versorgung das Boot – eine Zusammenarbeit, die von der Nachbarschaft getragen wird. Wir haben mit allen Mietern der Wohnanlage in der Plovdiver Straße 56-74 das Gespräch gesucht, das Vorhaben vorgestellt und viele Rückfragen beantwortet und sind sehr stolz darauf, mit der einstimmigen Akzeptanz die Umsetzung des Projekts starten zu können. Gemeinschaft stärken, Zusammenhalten und einander unterstützen; das bedeutet das Leben in einer Genossenschaft und ganz in diesem Sinne vermieten wir nun vier Wohnungen an das Boot, in denen acht Erwachsene mit psychischen Erkrankungen ein neues Zuhause finden. Am 15. Oktober 2025 waren alle Nachbarn eingeladen, sich die neu eingerichteten Wohnungen anzusehen und die zuständigen Ansprechpartner der das Boot kennenzulernen, bevor die neuen Bewohner sie mit neuem Leben füllen.

Wohnen mit Unterstützung: Selbstständigkeit fördern, Sicherheit geben

Wohnen bedeutet mehr als nur ein Dach über dem Kopf, es geht um Gemeinschaft, Teilhabe und Miteinander. Deswegen besteht das Projekt in weitaus mehr als nur der Bereitstellung von Wohnraum. Mit dem Einzug gibt es die umfangreiche fachliche Unterstützung durch die Mitarbeiter des Trägers. Sie helfen im Alltag, begleiten zu Terminen, unterstützen bei der Freizeitgestaltung und stehen im Notfall sogar mit einem Krisentelefon bereit. So entsteht ein verlässlicher Rahmen, der Sicherheit gibt und Selbstständigkeit fördert. Unser Anspruch als Wohngenossenschaft Leipzigs besteht darin, dem allgegenwärtigem Nebeneinander ein authentisches Miteinander entgegenzusetzen – etwas, was bei dieser Kooperation von besonderer Bedeutung ist. Eine gute Nachbarschaft zu schaffen, gehört zu unseren Kooperationsbestimmungen, in denen wir die Abstimmung bei Fragen oder Konflikten festgehalten haben. Gemeinsam mit den Sozialarbeitern der das Boot suchen wir nach Lösungen und unterstützen die Integration ins Wohnumfeld. Denn wir sind überzeugt: Ein verständnisvolles Miteinander macht das Wohnen für alle angenehmer.

Psychische Erkrankungen verstehen – Teilhabe ermöglichen

Psychische Erkrankungen sind schon lange kein Tabu-Thema mehr, bleiben aber zu oft mit falschen Vorurteilen oder Relativierung behaftet. Gängige Krankheitsbilder wie Depressionen, Angststörungen oder Schizophrenie sind oftmals eine Folge schwerer seelischer Krisen, die etwa jede dritte Person im Laufe ihres Lebens erlebt. Ein solches Leiden lässt sich nicht als „Schwäche“ oder „Charaktermangel“ abtun, sondern muss als gesundheitliches Problem ernstgenommen und genauso wie körperliche Erkrankungen behandelt werden. Viele Betroffene führen mit der richtigen Unterstützung ein stabiles und erfülltes Leben. Entscheidend ist wie so oft der Zugang zu Wohnraum, Teilhabe und sozialen Kontakten – genau die Stellschrauben, bei denen unsere Kooperation zwischen der WOGETRA und das Boot ansetzt: Wir wollen Ausgrenzung vermeiden und den Blick auf das stärken, was Menschen können und brauchen, um ihre Fähigkeiten einzubringen. Als Nachbar können auch Sie ein Zeichen setzen: mit Offenheit, Freundlichkeit und Respekt. Jeder kleine Schritt im Alltag hilft, Vorurteile abzubauen und ein Klima des Miteinanders zu fördern, damit inklusives Wohnen ein Gewinn für alle wird.

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