Das im diesjährigen April gestartete Pilotprojekt zur Verbesserung der Energieeffizienz unserer Wohnanlage in der Hannoverschen Straße 58-64 konnte inzwischen erfolgreich abgeschlossen werden. Die Umbaumaßnahmen haben ein Ende und passend zur kalten Jahreszeit können die Bewohner nun auf die vollkommen neu eingebaute Heizanlage zurückgreifen – die Besonderheit: Im Sommer lassen sich die Heizkörper nun auch zum Kühlen der Wohnung verwenden!

Das Pilotprojekt „KueHa“

Das Projekt „KueHa“, kurz für „Kühlen mit der Heizungsanlage“, wurde in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden auf die Beine gestellt und nimmt sich den Problemen an, mit denen sich die Bewohner, insbesondere in den Dachgeschosswohnungen, in den letzten Sommern konfrontiert sahen. Eine Mieterin maß in ihrem Schlafzimmer Temperaturen von über 30°C und sie ist keineswegs die Einzige, der die anhaltende Hitze zu schaffen macht. Auch Herr Dr. Kremonke, der das Projekt betreute, betonte im Interview mit uns, dass die steigenden Temperaturen im Sommer und die damit einhergehende Aufheizung der Städte und Gebäude nicht als „Komfortproblem“ abzuweisen ist, sondern auch im medizinischen Sinne ernstgenommen werden sollte. Allein die erschreckend angestiegenen Todesfälle aufgrund von Hitze sollten zur Lösungssuche anhalten. Während dieser Aspekt bei Neubauten bereits in der Planung mitberücksichtigt werden kann, gilt es bei Bestandsgebäuden, die bei weitem den Großteil der Wohnanlagen ausmachen, umzudenken.

Ein revolutionäres Projekt

Der Ansatz der TU Dresden besteht darin, die vorhandene Heizungsanlage auch zum Kühlen nutzbar zu machen. Diese Verbindung soll durch die Geothermie geschaffen werden, denn eine Sole-Wasser-Wärmepumpe aktiviere und nutze die Speicherkapazität des Erdreichs. Im Winter werde diesem zum Heizen Wärme entzogen, sodass der durch Sonden erfasste, unterirdische Bereich abkühlt und schließlich in den Sommermonaten ausreichend kühl ist, um in den Wohnungen einen Temperierungseffekt zu realisieren. Die sommerliche Wärme, die aus den Wohnungen abgeleitet wird, speichert sich ebenfalls im Erdreich ein. Diese aktive Mitarbeit der natürlichen Eigenschaften des Erdreichs ist Grundlage der Projektidee.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass größere Umbaumaßnahmen lediglich vor der Wohnanlage und nicht in den Wohnungen selbst notwendig wurden. Nach Entkernung der alten Heizzentrale und Aufbau der neuen mit zwei Wärmepumpen und einem Gas-Brennwertgerät zur Spitzenlastabdeckung begannen die umfassenden Bauarbeiten im Außenbereich. Die Grünanlage und der Wäscheplatz vor dem Wohnhaus wurden zur Baustelle: 16 jeweils 100 Meter tiefen Sonden wurden verrohrt – nach Abschluss der Baumaßnahmen ist das Areal nun wieder ohne Einschränkung nutzbar. Danach mussten nur noch die Heizflächen in den Wohnungen ausgetauscht werden.

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Die Ergebnisse können sich sehen lassen

Schon jetzt können die Bewohner der Hannoverschen Straße von den Vorteilen des Umbaus profitieren, denn die neue Heizanlage verspricht nicht nur im Sommer Linderung. Durch sie wird im ganzen Jahr ein sehr effizientes Heizen ermöglicht, was sich schließlich in geringeren Heizkosten niederschlägt. Das Projekt ist ein laufendes Forschungsprojekt und wird demnach noch längerfristig in Beobachtung von den verantwortlichen Forschenden stehen. Herr Dr. Kremonke bestätigte allerdings, dass allein die aktuell vorliegenden Erkenntnisse relevante Ergebnisse darstellen und zeigen: das Konzept funktioniere tatsächlich sehr gut.

Besonders die Umsetzenden sind nun mit der Fertigstellung des Umbaus stolz auf das Ergebnis. Gerade weil sie auch die Herausforderungen, die bei einem so groß angelegten Pilotprojekt auftreten, meistern konnten. Zuerst die Wahl einer Vorzugsvariante der technischen Umsetzung, dann das Aufstellen des Teams, in dem Kompetenzen aus der Wohngebäudeverwaltung, Wissenschaft, Planung und Ausführung sowie Projektpartner zusammengeführt werden sollten und letztlich auch die Finanzierung waren zu organisieren. Die Verzögerung des Fördermittelbezugs durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, ohne den die Umsetzung wohl nicht möglich gewesen wäre, wirkte sich dabei besonders auf den Ablaufplan des Projekts aus. Die andere große Herausforderung, mit der das Team allerdings gerechnet hatte, waren fehlende Unterlagen zur Modernisierung der Wohnanlage 1992. Doch mit tatkräftiger Unterstützung ambitionierter Studierender konnte dieser Mangel nachgearbeitet werden und sorgte damit zusätzlich zu positiven Aspekten: Junge interessierte Studenten konnten Praxiserfahrung sammeln und an Problemstellungen aus dem potenziellen Arbeitsalltag herangeführt werden.

Wir freuen uns einen Schritt in Richtung Zukunft gemacht zu haben und sind gespannt, welche Erfahrungsberichte uns im Sommer erreichen!

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