Thomas Kundt – für andere der wohl bekannteste Tatortreiniger Deutschlands, für uns geschätzter und verlässlicher Dienstleister. Im Interview gewährt der bekannte Tatortreiniger spannende Einblicke in seinen Arbeitsalltag, erklärt typische Abläufe nach außergewöhnlichen Ereignissen und berichtet, welche menschlichen Erfahrungen seinen Beruf prägen. Dabei wird deutlich: Neben fachlichem Können braucht es vor allem Respekt, Verantwortung und ein waches Auge für die Gemeinschaft.

Tatortreiniger – ganz wie im Fernsehen?

Im Gespräch mit Thomas Kundt wird schnell klar, dass sein Arbeitsalltag weitaus mehr umfasst, als in der beliebten TV-Serie gezeigt wird. Tatorte machen den kleinsten Teil seiner Einsätze aus, über die Hälfte seiner Aufträge betrifft einsam verstorbene Menschen. Haupteinsatzort ist entsprechend die häusliche Sphäre. Beauftragt wird das Sonderreinigungsunternehmen in der Regel von Hausverwaltungen, aber auch von Erben, Nachlassverwaltern oder dem Ordnungsamt. Ein typischer Einsatz folgt einem klaren Muster: Bei Verdacht eines Todesfalls wird die Wohnung zunächst von der Polizei und einem Notarzt begangen. Bestätigt sich die Vermutung, versiegeln sie die Tür und die Rechtsmedizin prüft die Identität und Todesursache. Mit der Freigabe der Staatsanwaltschaft kommt das Nachlassgericht ins Spiel und erst mit der Feststellung der Erben, kommt das Go für Thomas Kundt und seine Kollegen.

Professionelle Sonderreinigung: Ablauf und Herausforderungen

Mit dem Startsignal rückt das Team an, verschafft sich einen Überblick und wählt eine saubere Stelle, um ihr Material abzustellen. Dann beginnt die eigentliche Arbeit: das systematische Reinigen und Desinfizieren des Leichenfundorts – ohne hochwertige Geräte und professionelles Arbeiten undenkbar. Der Knackpunkt ist besonders die Geruchsneutralisierung und Schädlingsbekämpfung. Mit jahrelanger Berufserfahrung hat Thomas Kundt einen Blick dafür entwickelt, was in den Wohnungen passiert, worauf genau er sich am Morgen einstellen muss weiß er jedoch nie. Die größte Herausforderung des Berufs ist für ihn diese Unberechenbarkeit. Jeder Fall und jede Wohnung sind anders, jeden Tag ist mit Situationen zu rechnen, die er so noch nicht kannte.

Besonders bei Messi-Wohnungen, bei denen oftmals der Auftrag um die Beräumung der Wohnung erweitert wird, ist allein die Intimität der Wohnungsbegehung eine eigene Herausforderung. Für die professionelle Reinigung brauchen er und sein Team maximal 48 Stunden.

Einsamkeit erkennen: Warum Nachbarschaft wichtig ist

Die Lebensweise und auch Geheimnisse der Verstorbenen zu respektieren ist wichtiger Bestandteil des Berufs, der seinen Weg auch ins Privatleben von Thomas Kundt gefunden hat. Besonders die unzähligen tragischen Schicksale, mit denen er konfrontiert wird, rücken das Gleichgewicht von aufrichtigem Interesse an seinen Mitmenschen und dem Respekt voreinander in den Fokus. Er berichtete von einem Fall, bei dem hier in Leipzig ein Verstorbener ganze sieben Jahre unbemerkt in seiner Wohnung lag – ein Armutszeugnis für uns als Gesellschaft. Der Lebenswandel dazu immer höher, schneller, weiter zu leben, vereinzele uns und macht Vereinsamung zu einem großen Problem. Immer mehr ziehen sich zurück oder sehen weg, sodass auch den Anzeichen für einen Tod in der Nachbarschaft nicht immer nachgegangen wird. Ein überfüllter Briefkasten und unbewegte Rollläden müssen nicht immer ein Zeichen für eine längere Abwesenheit sein. In solchen Fällen sollte man erstmal klingeln und versuchen Kontakt aufzunehmen. Spätestens bei Alarmsignalen, wie plötzlich auftretende Maden oder goldgrüne Schmeißfliegen im Treppenhaus, sollte man den Hausmeister, die Verwaltung oder Behörden informieren.

Gemeinschaft stärken statt wegsehen

Im öfter erlebt er in letzter Zeit, dass sich Hausverwaltungen wieder mehr für das Gemeinschaftsgefühl einsetzen. Mit Impulsen wie Quartiernachmittagen oder einem Wichteln im Wohnhaus wird das Interesse an gelebter Nachbarschaft wieder zu gestärkt – ein Trend, den auch wir als Wohnungsgenossenschaft sehr begrüßen und zu dem wir seit Jahren aktiv beitragen, ob mit unseren Hausfesten, Ausfahrten oder Vereinsaktivitäten.

Thomas Kundt ist überzeugt: Wir müssten alle nur ein kleines bisschen mehr nach rechts und links gucken, auf uns und einander achten, damit es eine gute Gesellschaft wird, denn jede kleine Aufmerksamkeit schlägt Wellen. Die Tätigkeit als Tatortreiniger eröffnet eine ganz eigene Perspektive auf das Wichtige im Leben. Statt Extreme zu suchen hat er gelernt, jeden einzelnen Tag bewusst wahrzunehmen und aktiv zu leben. Was er allen mit auf den Weg geben möchte, ist nicht bloß dem großen Glück nachzujagen, sondern die vielen kleinen Glücksmomente im Alltag bewusst wahrzunehmen – darauf, diese Mikroglücksmomente zu spüren, kommt es im Leben an.

Als Wohnungsgenossenschaft setzen wir uns aktiv gegen Vereinsamung unserer Mitglieder und Mieter ein. Unser Verein „Gemeinsam statt einsam e. V.“ organisiert regelmäßig Veranstaltungen und Aktivitäten, bei denen alle herzlich willkommen sind – hier können Sie den Veranstaltungskalender einsehen.

Unterstützung beim Messi-Syndrom

Benötigen Sie oder Ihre Angehörigen Hilfe bei der Bewältigung eines zwanghaften Sammeldrangs, zögern Sie nicht sich an das Sozialamt zu wenden. In der Beratungsstelle “Wohnen und Soziales” im Technischen Rathaus, Prager Straße 118-136, Haus A können Sie Unterstützung finden.

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